Und warnt Eure Freunde! Hirnfresser greifen an

(S2/E05) Es gibt ein ganzes Universum menschlicher Entscheidungen, die sich irgendwann als Fehlverhalten herausstellen könnten: Kennen Sie das, wenn von draussen oder drinnen die kraftzehrenden Gedanken irrlichtern? „Wie konntest Du nur?“ „Ich bin so blöd“  „Hätte ich doch bloß“, “Denk doch vorher nach!”.

Nach dieser Folge lautet Ihre Antwort auf all’ diese Rat-Schläge: “Nachgedacht – Habe ich. Und dabei das schnellste und hocheffiziente “System 1″ genutzt”.

Denn dank Nobelpreisträger Daniel Kahneman wissen wir: wir nutzen zwei Gehirne. Die meiste Arbeit erledigt unser schnelles Denken, das System 1. Ohne dieses würden wir noch mittags da sitzen und über der Auswahl der Socken, Müsli oder Brot, Kaffee oder Tee, Bus oder S-Bahn nachdenken – und verzweifeln. Schnelles Denken hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind.
Aber – wird es uns auch in die Zukunft bringen? Dem schnellen Denken haftet der Makel an, uns immer wieder in “Denkfallen” zu steuern. Kognitive Verzerrungen werden diese unfreundlich genannt und bescheinigen uns Individuen Gedankenlosigkeit.

Was uns da die Natur beschert hat, sind eher Verhaltensmuster, Intuitionen. Die gute Nachricht: Diese bekommen tatsächlich Unterstützung durch das langsamen Denken, unser System 2. Man sollte diesem die Chance geben, um uns auch in schwierigen Zeiten zivilisiert gegenüber Menschen zu verhalten.

Was passiert, wenn es nicht passiert, zeigen wir deutlich am Beispiel der Ereignisse des 6. Januar 2021, als “plötzlich” hunderte von gewalttätigen Menschen das Capitol in Washington erstürmen, sich im Recht fühlen, viele Menschen zu Schaden kommen und fünf getötet werden.
Die Hirnfresser, die unsere intuitiven Verhaltensmuster als Cognitive Biases missbrauchen, sind weltweit unterwegs. Sie werden unsere Zivilisation zerstören. Warnen Sie Familie und Freunde. Erzählen Sie von dieser Folge von achwas.fm!

Quellen zur Episode

  • Das Experiment zum “Wahrheitseffekt” (Illusory Truth Effect). Wenn man eine Aussage nur oft genug wiederholt, wird sie als “wahr” betrachtet: “Die gestohlene Wahl, die Flüchtlingsschwemme, der Blackout, verleumderische Aussagen in Trip-Advisor, Twitter oder auch in klassischen Medien”.
    Lynn Hasher, David Goldstein und Thomas Toppino:Frequency and the Conference of Referential Validity”, Journal of Verbal Learning an Verbal Behavior 1977
    https://doi.org/10.1016/S0022-5371(77)80012-1

  • Menschen werden aufgehetzt und kommen in Rage. Werden zu einem marodierenden Mob. Diagnose: Moral Panic. Stanley Cohen hat dieses Phänomen 1972 beschrieben und dabei einen Vorfall aus dem Jahr 1964 diagnostiziert, der auch 2022 genau so passieren könnte.
    Umfassend und interessant aufbereitet mit vielen Beispielen – auch zum Thema “Corona”
    Frothingham, M.B. (2021, Oct 28). “Folk Devils and Moral Panics (Cohen 1972).”
  • https://www.simplypsychology.org/folk-devils-and-moral-panics-cohen-1972.html
  • Stanley Cohen: Folk Devils and Moral Panics“,  Thirtieth Anniversary Edition, (2002 by Routledge; first published May 17th 1973)
  • Eine Liste von 101 Behavior Patterns / Kognitiven Verzerrungen tabellarisch, geordnet, mit Quellenangaben von
    Philipp Spreer: “Psy Conversion”., Erstauflage 2018, SpringerGabler.
  • Hinweis auf die aktualisierte Auflage:
    Philipp Spreer:PsyConversion ® “117 Behavior Patterns für eine noch bessere User Experience und höhere Conversion-Rate im E-Commerce”, 2021, SpringerGabler

    Die “Klassiker” zum Thema, Daniel Kahneman und Amos Tversky
  • D. Kahneman, A. Tversky: Prospect theory: An analysis of decision under risk. In: Econometrica, Band 47, 1979, Nr. 2, S. 263–291.
  • A. Tversky, D. Kahneman: “Advances in prospect theory: cumulative representation of uncertainty. In: D. Kahneman, A. Tversky (Hrsg.): “Choices, values and frames”. Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 44–66.
  • D. Kahneman: “Thinking, fast and slow. Allen Lane, London 201
    Deutsche Ausgabe: D. Kahneman: “Schnelles Denken, langsames Denken”. Siedler, München 2012

    Weiterführende Texte
  • Eine sehr umfangreiche Sammlung von Denkfallen und Paradoxa hat Timm Grams auf seiner Website zusammengestellt, kommentiert und mit einer famosen Quellensammlung versehen. Empfehlenswert für Menschen, die Spaß am “langsamen Denken” haben. Es ist zudem auch eine “Denkschule”, die fit für das Leben macht.
    Trigger Warnung: Kann auf Schnellurteilende verstörend wirken.
    https://www2.hs-fulda.de/~grams/dnkfln.htm
  • Das Buch zuer Website
    Timm Grams: “Klüger irren – Denkfallen vermeiden mit System” Springer 2016
    https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-50280-8

Zum Episodenbild

Manchmal ist das Leben tatsächlich zum Haare raufen.

Episodenbild

20.11.2022. Manchmal ist das Leben tatsächlich zum Haare raufen. Wir haben DALL-E 2 gebeten, uns dazu ein Bild zu erstellen. Im Stil von des französischen Malers Gustave (Désiré) Courbet sollte es sein und einen verzweifelten Mann zeigen. Was man sieht, ist das Ergebnis der Interpretation einer Künstlichen Intelligenz, die abermillionen Bilder durchsucht und geordnet hat und daraus eine Melange des verzweifelten Haareraufens erstellte. In S2/E06 erzählen wir mehr zu diesem Thema. Genau, da gab es doch was anderes?

Am 6.11.22 haben wir das folgende Bild, tatsächlich von Gustave Courbet gemalt, als Episodenbild gewählt.

20.11.2022. Manchmal ist das Leben tatsächlich zum Haare raufen. Wir haben DALL-E 2 gebeten, uns dazu ein Bild zu erstellen. Im Stil von des französischen Malers Gustave (Désiré) Courbet sollte es sein und einen verzweifelten Mann zeigen. Was man sieht, ist das Ergebnis der Interpretation einer Künstlichen Intelligenz namens DALL-E 2 die abermillionen Bilder durchsucht geordnet und “verschlagwortetet” mit Details wie “Menschen auf einem Papyrus”, “Monet’s Garten”, “Überwachungskameras” … DALL-E 2 hat und daraus eine Melange des verzweifelten Haareraufens erstellte. In S2/E06 erzählen wir mehr zu DALL-E 2

https://openai.com/dall-e-2/

Ursprünglich, da gab es doch ein anderes Bild?

Genau. 6.11.2022 Manchmal ist das Leben tatsächlich zum Haare raufen. In dieser verzweifelten, verängstigten Stimmung scheint der französische Maler Gustave (Désiré) Courbet sein Selbstportrait mit dem Titel “Le Désespéré” (Der Verzweifelte) um das Jahr 1843 gemalt zu haben. Courbets Leben und Werk wäre für einen Historienroman geeignet. Seine Herkunft aus einer wohlhabenden Bauernfamilie, sein Kampf um Anerkennung in der Pariser Kunstszene, sein politisches Engagement in revolutionären Zeiten in Frankreich und die finanziellen und gesundheitlichen Folgen dieser Zeit sind es wert, nicht nur eine Randnotiz zum Episodenbild zu sein.
Zum Einstieg empfiehlt sich tatsächlich der Wikipedia Beitrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Courbet

Der Link zu wikimedia

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gustave_Courbet_-_Le_D%C3%A9sesp%C3%A9r%C3%A9_(1843).jpg